Travelblog
Ein Reisebüro-Tagebuch.
Albanien - wer hätte das gedacht?
31.Oktober → Von Ina
Juchuu, ich darf nach Albanien fahren. Was willst Du im Armenhaus Europas? Ist das überhaupt sicher? Stehst Du auf postkommunistisches Grau in Grau und Bunker? - So oder so ähnlich waren die Reaktion auf meine Ankündigung, das Land der Skipetaren nun persönlich in Augenschein zu nehmen.
Umso größer war meine Überraschung, als ich in Tirana ankam. Die albanische Hauptstadt ist zwar keine mondäne Metropole, aber es wird gebaut, die Plattenbauten sind fröhlich bunt gestrichen und die Nation ist im Aufbruch.
Im Blockviertel (das ehemalige komplett abgesperrte Villenviertel der kommunistischen Bonzen) hat sich eine lebenslustige Bar- und Restaurantszene entwickelt. Beautiful People halten hier Hof und genießen das milde Herbstklima bei einem kühlen Korca-Bier und ausgezeichnetem Essen (wirklich! Mediterrane Vorspeisen mit würzigen Kräutern, frischer Fisch und wunderbare Meeresfrüchte...schmatz!).
Die Fahrt durch
s Land erfordert dann allerdings ein wenig Geduld, weil an den Straßen zwar heftigst gebaut wird, aber es bleibt doch recht eng und die Berge wollen auf vielen Kurven erobert werden. Dafür wird man mit einer spektakulären Küste und teilweise noch unberührten Buchten belohnt. Andernorts wird leider soviel gebaut, dass man um diese Idylle auch angesichts einiger ausufernder Misthaufen Angst haben muß. Aber bei einem Blick auf die Ruinen der antiken Stadt Butrint (die leider langsam im Wasser versinkt- aber vielleicht macht gerade diese Vergänglichkeit ihren Reiz aus) ist das alles schon wieder vergessen.
Die Reise in die Vergangenheit führt weiter zur Stadt Girokastra, der der Dichter Ismael Kader mit seiner "Chronologie aus Stein" ein literarisches Denkmal setzte. Die wehrhaften osamischen Häuser sind mit Steinschindeln gedeckt und stapeln sich am Hang überinander. Auf steilen Gassen mit glattem Kopfsteinpflaster kämpft man sich zur Burg hoch, um den Ausblick auf die UNESCO Weltkulturerbestätte zu genießen. Vorbei an den allgegenwertigen Bunker, die an Envar Hoxas Verfolgswahn erinnern, geht es weiter nach Berat.
In der befestigten Oberstadt leben noch rund 2.000 Menschen und sind stolz auf ihre hübschen Kirchen. In der Kathedrale ist das Onofi-Museum mit einer exquisiten Ikonensammlung untergebracht. Zu Füßen des Burgberges breitet sich die "Stadt der 1000 Fenster" aus. Hier leben Moslems, Bektaschi (Anhänger eines Derwisch-Ordens), orthodoxe Christen und Katholiken bunt gemischt und friedlich miteinander. Die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen nimmt einen gefangen. Ich wollte am Markt einen Apfel und eine Banane verkaufen, aber so geringe Mengen, wollte mir der Händler mit dem lachenden Gesicht einfach nicht verkaufen. Aber das Geschenk habe ich gerne angenommen.
Travelfact:
Tirana ist von Wien mit Austrian Airlines in nur 80 Minuten erreichbar.
Zur Einstimmung könnte man sich den berühmten Ziegenhelm und das Schwert des albanischen Nationalhelden Skanderbeg ja in der Neuen Burg in Wien anschauen...
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